Exponiertes Orbitaimplantat nach Enukleation

Eine der wichtigsten Komplikationen nach der Enukleation ist eine Exposition des Implantats (bzw. frühe oder späte Wunddehiszenz).

Es gibt heutzutage zwei wichtigen Typen von Orbitaimplantaten nach Enukleation oder Eviszeration: nicht integrierbare glatte Kugel (Acrylimplantat – PMMA und Silikonimplantat – Silastic) und integrierbare poröse Implantate (Hydroxylapatit und Polyethylen, „Medpor“).

Wichtig ist es, die Bindehaut und Tenon’sche Kapsel nach einer Implantation des Orbitaimplantats gut zu schließen. Suboptimale Nahttechnik, Infizierung, mangelnde Ummantelung der porösen Hydroxylapatitimplantate oder auch Trauma durch Kunstauge ermöglichen eine spätere Wund- bzw. Bindehautdehiszenz. Bei früher und später Dehiszenz soll man immer die Bindehautfornices prüfen: Bindehautkontraktion folgt zügig!

Bei porösen Orbitaimplantaten ist das Risiko der Infizierung höher. Das ganze Implantat kann spät postoperativ als eine Quelle der Infektion dienen (PMID 17881998) und die Implantat-Abszesse (PMID 18415874) +/- Orbitaabszesse sind bei Socket-Infizierung ebenso möglich (PMID 17302210).

Exposition von einem Implantat bei aktiver Infektion kann nicht sofort behandelt werden. Zuerst muss man die Infektion beseitigen und bis einigen Monaten abwarten.

Es gibt mehrere Techniken, Wunddehiszenz oder exponiertes Implantat zu behandeln:

  1. Beobachten
  2. Tarsokonjunktivaler Verschiebelappen
  3. Implantatentfernung und Re-Implantation
  4. Transplantation von labialer oder bukkale Schleimhaut
  5. Abdeckung mit konservierter Sklera
  6. Dermis-Fett-Transplantat (doi:10.1007/s00347-003-0846-7)
  7. Patch-Graft mit dermaler Allograft („AlloDerm“) (PMID 29303388)
  8. Temporalis-Fascia-Graft
  9. retroaurikulare myoperiosteale Autograft (PMID 31739714)

Interessanterweise, ist ein direktes Nähen gar keine alternative: die Konjunktiva ist schon kontrahiert und das Wundverschluss unter Spannung bringt nie Erfolg.

Wichtig! Poröse Implantate haben das größte Risiko der Exposition im Laufe der Zeit (ca. 20% im Vergleich zu 4.5% bei Dermis-Fett oder 4.5% bei nicht porösen Kugel-Implantaten). (PMID 30706748)

Bis jetzt gibt es keine eindeutige Empfehlungen bezüglich der bevorzugten Orbitaimplantate. Es steht nicht fest, dass poröse Implantate eine bessere Kunstauge-Motilität oder Esthetik erreichen können. (Cochrane Review CD010293).

Leider ist die Entfernung von einem Implantat und auch von der Bindehaut, die hinter der Kugel eingewachsen ist, bei Infektion fast immer notwendig. Man muss nach der Re-Implantation mit dem weiteren Schrumpfen der Bindehautfornices rechnen. Bei Re-Operation muss man PMMA-Kügel statt poröses Implantat bevorzugen.

Zusätzliche Quellen:

Fox, Sidney A., Ophthalmic Plastic Surgery, 5th Ed. (1976)

Mustardé, J. C., Repair and Reconstr. of Orbital Region, 2nd Ed. (1980)

Callahan M., Ophthalmic plastic and orbital surgery (1979)

doi 10.1007/s00347-013-2950-7

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